Ein Funnel klingt nach Marketing-Software, ist technisch aber etwas sehr Einfaches: ein paar Seiten, auf denen Besucher Schritt für Schritt Fragen beantworten, ein Kontaktschritt und eine Danke-Seite. Ein Heizungsbauer fragt etwa nach Haustyp, Baujahr und Wunschtermin, ein Betrieb mit offenen Stellen nach Erfahrung und Verfügbarkeit. Am Ende steht eine Anfrage, die der Betrieb sofort einordnen kann.
Für diese paar Seiten verlangen Funnel-Baukästen eine Monatsgebühr. Dieser Artikel zeigt, wie es ohne geht, und wo die Grenzen liegen.
Was ein Funnel-SaaS wirklich mitbringt
Bevor es um das Selbstbauen geht, die faire Gegenrechnung. Ein Funnel-Baukasten liefert mehr als die Seiten:
- Hosting, Zertifikat und Updates sind inklusive
- ein Editor, mit dem auch Menschen ohne Technik-Kenntnisse Fragen ändern
- Lead-Verwaltung, oft mit kleinem CRM
- E-Mail-Versand und Automationen
- A/B-Tests und Auswertungen pro Schritt
- Anbindungen an andere Werkzeuge
Das kostet. ClickFunnels nennt für den Tarif Launch 97 US-Dollar im Monat oder 81 US-Dollar bei jährlicher Zahlung, HighLevel für Starter 97 US-Dollar im Monat. Für ClickFunnels Launch sind das über drei Jahre rund 2.900 bis 3.500 US-Dollar, je nach Zahlweise, und der Funnel läuft nur, solange du zahlst.
Wer die Liste oben wirklich braucht, ist mit einem SaaS gut bedient. Viele Betriebe brauchen aber nur die erste Zeile davon und eine Mail, wenn jemand eine Anfrage schickt.
Woraus ein selbst gebauter Funnel besteht
Ein Funnel ohne SaaS sind statische Seiten, die auf jedem Webhosting laufen:
- Fragen in Schritten. Jede Frage ist ein
fieldsetmit echten Auswahlfeldern. Ein paar Zeilen JavaScript zeigen immer nur einen Schritt und blenden Fragen aus, die nach einer Antwort nicht mehr passen. Ohne JavaScript sieht der Besucher alle Fragen untereinander und kann trotzdem absenden. - Kontaktschritt. Name, Telefon oder Mail, Wunschzeit. So wenige Felder wie möglich. Eine Zusammenfassung der Antworten mit „ändern“-Knopf hilft, Fehler zu vermeiden.
- Ergebnis oder Danke-Seite. Was jetzt passiert, wann sich jemand meldet, eine Telefonnummer für Eilige. Kein Upsell.
- Rechtsseiten. Impressum und Datenschutzerklärung, verlinkt vom Formular.
Das Formular schickt die Antworten per POST an einen Empfänger. Das ist die einzige Stelle, an der du dich entscheiden musst.
Gute Fragen statt vieler Fragen
Ob ein Funnel funktioniert, hängt weniger an der Technik als an den Fragen. Funnel-Anbieter nennen gern eine feste Zahl an Fragen als Richtwert. Belegt ist so eine Zahl nicht. Eine bessere Regel: Jede Frage muss beim Betrieb eine Entscheidung auslösen. Wenn die Antwort auf „Wie alt ist Ihre Heizung?“ nichts daran ändert, wer zurückruft oder was angeboten wird, fliegt die Frage raus.
Ein paar Erfahrungswerte aus dem Bau solcher Funnels:
- Spannen statt Schieberegler. „Bis 5.000 Euro“, „5.000 bis 15.000 Euro“, „mehr“ ist schneller beantwortet als ein Regler und mit der Tastatur leichter zu bedienen.
- Bilder nur, wenn sie helfen. Haustypen als Bild sind eindeutiger als als Wort. Bei Fragen nach Zeiträumen hilft ein Bild nicht.
- Ein Ausgang für „passt nicht“. Wer eine Leistung anfragt, die der Betrieb nicht anbietet, bekommt einen freundlichen Hinweis und eine Telefonnummer, keine Sackgasse.
- Barrierefrei von Anfang an. Jede Frage als
fieldsetmitlegend, Fehlermeldungen direkt am Feld und vorgelesen, der Fokus springt beim Schrittwechsel an den Anfang der neuen Frage. - Richtwerte als Richtwerte. Wenn ein Funnel einen Preis schätzt, steht daneben, dass es kein Angebot ist und wovon der Preis abhängt.
Wohin die Anfragen gehen
| Empfänger | Für wen | Aufwand |
|---|---|---|
| PHP-Skript beim eigenen Webhoster, das eine Mail schickt | Betriebe mit klassischem Webhosting | gering, einmal einrichten |
| Formular-Plugin einer bestehenden WordPress-Seite | wer WordPress ohnehin betreibt | gering |
| Selbst gehostete Automatisierung, zum Beispiel n8n | wer Anfragen weiterverarbeiten will (Tabelle, CRM, Kalender) | mittel |
| Formulardienst mit Sitz und Servern in der EU | wer gar keinen Server betreuen will | gering, mit kleiner Gebühr |
Wichtig ist, dass die Feldnamen stabil sind und dokumentiert. Dann lässt sich der Empfänger später wechseln, ohne den Funnel neu zu bauen. Gegen Spam reichen in der Regel ein verstecktes Feld, das nur Bots ausfüllen, und eine Zeitprüfung im Empfänger. Ein Captcha von einem großen Anbieter lädt Code von Dritten und braucht dann meist eine Einwilligung.
Was du weglassen solltest
Funnel-Baukästen bieten Funktionen, die bei einem kleinen Betrieb mehr schaden als nützen. Ein selbst gebauter Funnel ist die Gelegenheit, sie gar nicht erst einzubauen.
Speichern im Endgerät. Manche Funnels merken sich Antworten im Browser, damit sie nach einem Neuladen noch da sind. Nach § 25 TDDDG braucht das Speichern von Informationen im Endgerät eine Einwilligung, außer es ist für den ausdrücklich gewünschten Dienst unbedingt erforderlich. Ein Funnel mit fünf Fragen braucht keinen Speicher, der Zustand lebt einfach in der Seite.
Teil-Absendungen. Einige Werkzeuge übertragen Antworten schon, bevor jemand auf „Absenden“ drückt. Für Besucher ist das ein Vertrauensbruch, und datenschutzrechtlich ist es heikel. Gesendet wird erst beim Absenden.
Ergebnis nur gegen Mailadresse. Wer ein Ergebnis verspricht, sollte es zeigen. Der Kontakt bleibt ein Angebot, keine Bedingung.
Falsche Dringlichkeit. Countdown-Uhren, die bei jedem Besuch neu starten, sind nicht nur unseriös. Das UWG führt im Anhang zu § 3 Abs. 3 unter Nr. 7 die unwahre Angabe, ein Angebot sei nur sehr begrenzt verfügbar, als stets unzulässige geschäftliche Handlung gegenüber Verbrauchern auf. Echte Fristen, etwa ein Ausbildungsstart, gehören als Text auf die Seite.
Bewertungen sortieren. Ein beliebtes Muster: Zufriedene Kunden werden zu Google geschickt, unzufriedene in ein internes Formular. Googles Richtlinien für Rezensionen verbieten ausdrücklich, negative Bewertungen zu verhindern oder gezielt nur positive einzuholen. Wer um Bewertungen bittet, zeigt allen denselben Link.
Einschätzung von Till Heidrich: Ein Funnel für einen Handwerksbetrieb soll Anfragen sortieren, nicht Menschen überlisten. Wenn ein Werkzeug vor allem mit Tricks wirbt, die Kunden misstrauisch machen, passt es nicht zu Betrieben, die von Empfehlungen leben.
Messen ohne Tracking-Skript
Funnel-Baukästen zeigen, an welchem Schritt Besucher abspringen. Ohne Tracking-Skript sieht der Server das nicht im Detail, denn die Schritte liegen auf einer Seite. Was er sieht, reicht für den Anfang: Die Server-Logs zeigen, wie oft die Funnel-Seite und wie oft die Danke-Seite aufgerufen wurde. Daraus ergibt sich eine grobe Abschlussquote. Wer mehr wissen will, setzt ein selbst gehostetes, cookieloses Zählwerkzeug ein und zählt Schrittwechsel als Ereignisse.
Kosten im Vergleich
Ein selbst gehosteter Funnel kostet das Hosting, bei einem deutschen Webhoster reicht der kleinste Tarif, und einmal die Vorlage oder die Entwicklung. Dazu kommt der Empfänger, wenn du einen Dienst nimmst. Der Unterschied zum SaaS ist bei einem einzelnen Funnel deutlich, bei mehreren Funnels noch deutlicher, weil viele Baukästen nach Anzahl der Funnels oder Kontakte staffeln.
Was du dafür übernimmst: Hosting, Updates am Empfänger, die Datenschutzerklärung und die Frage, wer Änderungen an den Fragen macht. Ob das zu dir passt, klärt der Selbsttest auf der Seite Ohne Agentur.
Wann ein SaaS doch passt
- Du brauchst CRM, E-Mail-Sequenzen und A/B-Tests und willst dafür nicht mehrere Werkzeuge verbinden.
- Mehrere Leute ändern Fragen und Texte, ohne Entwickler.
- Du betreibst viele Funnels für viele Kampagnen gleichzeitig.
- Niemand im Betrieb oder in der Agentur will sich um Hosting und Formular-Empfänger kümmern.
Fertige Funnels als Startpunkt
In der Galerie unter Funnels und Landingpages liegen Funnels für Heizung, Photovoltaik, Recruiting und Immobilienbewertung. Sie kommen ohne Cookies, ohne Speicher im Endgerät, ohne Teil-Absendungen und ohne Countdown, und das Formular schickt an den Empfänger, den du einträgst. Wer statt WordPress eine statische Seite will, findet die Abwägung im Artikel Astro oder WordPress.