WordPress und Astro lösen dasselbe Problem auf entgegengesetzte Weise. WordPress baut jede Seite beim Aufruf aus einer Datenbank zusammen, mit PHP auf dem Server. Astro baut alle Seiten einmal vorher, und auf dem Server liegen danach nur noch fertige HTML-Dateien. Für eine Firmenwebsite mit acht bis zwölf Seiten, die sich ein paar Mal im Jahr ändern, ist dieser Unterschied wichtiger als jede Designfrage.
Dieser Vergleich richtet sich an kleine Betriebe und an Webdesigner, die für sie bauen. Er ist kein Urteil über WordPress als Ganzes. WordPress betreibt laut W3Techs 39,5 Prozent aller Websites, bei Seiten mit bekanntem Redaktionssystem sind es 58,2 Prozent. Es funktioniert, und es hat ein riesiges Ökosystem. Die Frage ist, ob man dieses Ökosystem für eine kleine Seite braucht.
Die Kurzfassung
| Kriterium | Astro (statisch) | WordPress |
|---|---|---|
| Was auf dem Server läuft | fertige HTML-, CSS- und Bilddateien | PHP, Datenbank, Themes, Plugins |
| Updates | selten nötig, nur beim Bau | WordPress, PHP, Theme und jedes Plugin, laufend |
| Angriffsfläche | klein | größer, vor allem durch Plugins |
| Texte selbst ändern | mit Git-CMS oder durch den Entwickler | im Editor, ohne Entwickler |
| Hosting | jedes Webhosting, kleinster Tarif reicht | Hosting mit PHP und Datenbank |
| Shop, Mitgliederbereich, viele Funktionen | mit Zusatzdiensten | mit Plugins, sehr breit |
| Wer es kann | eher Entwickler, KI-Agenten | sehr viele Agenturen und Freelancer |
Sicherheit und Pflege
Hier liegt der größte Unterschied. Eine WordPress-Seite besteht aus WordPress selbst, der PHP-Version des Servers, einem Theme und einer Reihe von Plugins. Jedes dieser Teile bekommt Sicherheitsupdates, und jedes muss jemand einspielen.
Wie viel da zusammenkommt, zeigt der Jahresbericht von Patchstack: 11.334 neue Sicherheitslücken im WordPress-Ökosystem im Jahr 2025, 42 Prozent mehr als im Vorjahr, 91 Prozent davon in Plugins, und bei 46 Prozent gab es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch kein Update. Patchstack verkauft selbst Sicherheitsdienste, die Zahlen sind also Anbieterdaten.
Dazu kommt die Ebene darunter. Im Oktober 2026 hat das PHP-Projekt zwei kritische Lücken geschlossen, die nur durch ein Update vollständig behoben waren. Jede WordPress-Seite auf einem Server mit veralteter PHP-Version war betroffen. Was das für den Betrieb heißt, steht im Ratgeber Betrieb und Pflege sind wichtiger als Design.
Eine statische Astro-Seite führt beim Aufruf keinen PHP- oder Datenbankcode aus. Lücken dieser Art treffen sie nicht direkt. Ganz ohne Pflege geht es trotzdem nicht: Der Webserver, ein Formularskript und die Zugänge zu Domain und Hosting müssen aktuell und geschützt sein.
Einschätzung von Till Heidrich: Eine kleine WordPress-Seite wird meistens dann zum Risiko, wenn sich nach dem Livegang niemand mehr zuständig fühlt. Eine statische Seite verzeiht das eher.
Ladezeit und Barrierefreiheit
Nur 48 Prozent der Websites bestehen auf Mobilgeräten alle Core Web Vitals, die Google zur Bewertung der Nutzererfahrung heranzieht. Das ist die Auswertung des HTTP Archive für 2025 auf Basis echter Nutzerdaten. Eine statische Seite hat es leichter, weil kein Server erst rechnen muss und keine Plugins Skripte nachladen. Schnell ist sie trotzdem nur, wenn Bilder, Schriften und Skripte sauber eingebunden sind.
Bei der Barrierefreiheit gibt es einen auffälligen Wert in der Messung WebAIM Million 2026: Astro-Seiten hatten im Schnitt 9,0 automatisch erkennbare Fehler pro Startseite, WordPress-Seiten 52,8. Das ist eine Korrelation, kein Beweis. Astro-Seiten sind oft kleiner und werden häufiger von Entwicklern gebaut, die auf so etwas achten. Astro macht eine Seite nicht von allein barrierefrei, und WordPress verhindert es nicht.
Und was ist mit Google?
Google bevorzugt kein bestimmtes System. Ob eine Seite mit WordPress oder Astro gebaut ist, spielt für die Platzierung keine Rolle. Was zählt, ist, was beim Abruf herauskommt: lesbares HTML mit sinnvollen Überschriften, eigene Titel und Beschreibungen pro Seite, schnelle Ladezeit, saubere Adressen, eine Sitemap und Inhalte, die Fragen beantworten.
Beide Wege kommen dahin. Astro liefert von Haus aus fertiges HTML ohne Umwege, und Titel, Beschreibungen, strukturierte Daten und Sitemap stehen als Code in der Seite. Bei WordPress übernehmen das meist SEO-Plugins, die gut funktionieren, aber eben ein weiteres Plugin mit Updates sind. Langsam wird eine WordPress-Seite selten durch WordPress selbst, sondern durch schwere Themes, Page Builder und Skripte von Drittanbietern.
Für Antworten von KI-Assistenten gilt dasselbe. Sie lesen den Text der Seite. Klare Überschriften, kurze Antworten am Anfang eines Abschnitts und Quellen helfen dabei mehr als die Wahl des Systems.
Texte selbst pflegen
Das stärkste Argument für WordPress ist der Editor. Wer regelmäßig Neuigkeiten, Stellenanzeigen oder Referenzen veröffentlicht und dafür keinen Entwickler anrufen will, kommt mit WordPress schnell zurecht.
Astro hat keinen eingebauten Editor. Es gibt drei Wege:
- Kein CMS: Texte ändert der Entwickler oder ein KI-Agent im Code. Für Seiten, die sich drei-, viermal im Jahr ändern, ist das oft der günstigste Weg.
- Git-basiertes CMS: Eine Bearbeitungsoberfläche im Browser, die Änderungen als Dateien speichert. Kein Server mit Datenbank, kein Plugin-Update.
- Headless CMS: Ein eigenes Redaktionssystem, das Inhalte an Astro liefert. Lohnt sich bei vielen Inhaltstypen und mehreren Redakteuren.
Welcher Weg passt, beschreibt der Ratgeber Headless CMS für kleine Websites.
Kosten über drei Jahre
Die Software ist in beiden Fällen kostenlos. Die Kosten entstehen woanders.
Bei WordPress sind das Hosting mit PHP und Datenbank, Premium-Themes und Premium-Plugins mit jährlicher Lizenz, und vor allem die Zeit für Updates, Backups und Fehlersuche. Wer das nicht selbst macht, zahlt dafür einen Wartungsvertrag.
Bei Astro reicht der kleinste Tarif eines Webhosters. Die laufende Pflege ist geringer, dafür kostet jede Änderung ohne CMS Entwicklerzeit. Für eine Seite, die selten geändert wird, ist Astro über drei Jahre deshalb meistens günstiger. Für eine Seite, die jede Woche neue Inhalte bekommt, kann WordPress günstiger sein, weil die Änderungen ohne Entwickler gehen.
Wann WordPress die bessere Wahl bleibt
- Mehrere Leute pflegen regelmäßig Inhalte und wollen einen vertrauten Editor.
- Die Seite braucht viele Funktionen, für die es fertige Plugins gibt, etwa Mitgliederbereiche, Kursverwaltung oder einen Shop mit vielen Zahlungs- und Versandoptionen.
- Das Team oder die betreuende Agentur kennt WordPress gut und hat eine feste Update-Routine.
- Es gibt schon eine gut gepflegte WordPress-Seite. Ein Umzug ohne konkreten Grund kostet nur Geld.
Wann Astro die bessere Wahl ist
- Die Inhalte ändern sich selten, und niemand will sich um Plugin-Updates kümmern.
- Ladezeit und Barrierefreiheit sollen ohne Plugins stimmen.
- Die Seite wird mit einem KI-Agenten gebaut und gepflegt. Astro-Dateien sind für Agenten gut lesbar, weil Inhalt und Aufbau als Text vorliegen.
- Funnels und Landingpages, die schnell laden sollen und kein Redaktionssystem brauchen.
Umziehen von WordPress zu Astro
Ein Umzug lohnt sich, wenn die bestehende Seite selten geändert wird und die Updates ohnehin liegen bleiben. Die Astro-Dokumentation beschreibt den Weg. Das Wichtigste ist eine vollständige Liste aller bisherigen Adressen mit Weiterleitungen auf die neuen, sonst gehen Google-Platzierungen verloren. Bilder, Formulare und Rechtstexte sollten danach einzeln geprüft werden.
Startpunkt
Alle Designs in der Galerie lassen sich nach Astro, als reines HTML oder als WordPress-Block-Theme exportieren. Du musst die Entscheidung also nicht beim Design treffen, sondern erst beim Livegang. Beispiele für Handwerk und Beratung findest du unter Handwerk und Beratung.