Magazin · KI und Webdesign, ehrlich

Warum KI-Websites alle gleich aussehen und wie deine anders wird

Verlauf im Hintergrund, drei Karten mit Symbolen, „Unlock your potential“: woher der KI-Einheitslook kommt und mit welchen Vorgaben eine KI-gebaute Website nach deinem Betrieb aussieht.

Wer in den letzten Monaten Websites kleiner Firmen und neuer Software-Produkte angesehen hat, kennt das Bild: ein dunkler Hintergrund mit lila-blauem Verlauf, eine große Überschrift mit einem hervorgehobenen Wort, darunter drei gleich große Karten mit Symbolen, dann Kundenstimmen von Menschen, die es nicht gibt. Im Englischen hat sich dafür das Wort „AI slop“ eingebürgert. Gemeint sind Inhalte, die schnell mit KI erzeugt wurden und nach nichts Bestimmtem aussehen.

Das liegt selten an der KI allein. Es liegt an dem, was man ihr gibt, und an dem, was man sie weglassen lässt.

Woher der Einheitslook kommt

Ein Sprachmodell erzeugt auf jede Anfrage die wahrscheinlichste Fortsetzung. Fragt man nach „einer modernen Website für eine Steuerkanzlei“, ist die wahrscheinlichste Antwort ein Mittelwert aus den vielen Seiten, die das Modell kennt. Das Ergebnis ist ordentlich und austauschbar. Drei Dinge verstärken diesen Effekt.

Gleiche Bausteine. Viele KI-Werkzeuge bauen mit denselben verbreiteten Komponentenbibliotheken und deren Standardwerten: dieselben Rundungen, dieselben Schatten, dieselbe Schrift. Wer nichts ändert, bekommt das Aussehen der Bibliothek.

Gleiche Anfragen. „Modern“, „clean“, „minimalistisch“, „professionell“. Diese Wörter stehen in fast jeder Anfrage, und sie lassen dem Modell den größten Spielraum, also landet es im Durchschnitt.

Kein eigenes Material. Ohne echte Texte erfindet die KI welche, ohne eigene Fotos nimmt sie Symbole und Verläufe. Gerade das, was einen Betrieb unterscheidet, fehlt dann.

Einschätzung von Till Heidrich: Der Einheitslook ist für mich kein Geschmacksproblem. Er zeigt, dass niemand entschieden hat, für wen die Seite ist. Eine Website, die für alle passt, passt am Ende für niemanden besonders gut, und die Besucher merken das.

Die typischen Muster

Diese Muster tauchen besonders oft auf. Einzeln sind sie kein Problem, gehäuft wirken sie beliebig:

  • Farbverläufe in Lila, Blau oder Türkis als Hintergrund, oft mit leuchtenden Rändern
  • ein Wort der Überschrift in Verlaufsfarbe oder Kursivschrift
  • drei gleich große Karten mit Symbol, Überschrift und zwei Zeilen Text
  • Kundenstimmen mit Fantasienamen und Fotos aus Bilddatenbanken
  • englische Floskeln in deutschen Texten („Unlock your potential“, „Seamless experience“)
  • Zahlenblöcke ohne Quelle („98 % zufriedene Kunden“)
  • Telefon-Attrappen und schwebende Dashboard-Bilder, auch bei Firmen ohne App

Wie man diese Muster bei fremden Seiten erkennt, beschreibt der Ratgeber KI-Website erkennen. Hier geht es darum, sie bei der eigenen Seite zu vermeiden.

Unsichtbare Folgen: Barrierefreiheit und Qualität

Der Einheitslook ist nicht nur eine Frage der Optik. Eine Fallstudie aus dem Januar 2025 hat eine ohne Vorgaben erzeugte Seite geprüft und unter anderem Kontraste von 1:1 bis 2,2:1 gefunden, außerdem fehlende Überschriften und Bedienelemente, die mit der Tastatur nicht erreichbar waren. Die Studie ist ein Preprint und untersucht nur eine Seite, sie zeigt aber, wo man hinsehen sollte.

Die Messung WebAIM Million 2026 vermutet, dass schnell mit KI gebaute Seiten zum Anstieg der Fehler beitragen. Gemessen hat WebAIM das nicht, und wir zitieren es deshalb nur als Vermutung. Gemessen ist dagegen, dass 95,9 Prozent der meistbesuchten Startseiten automatisch erkennbare Fehler haben. Der häufigste ist zu wenig Kontrast.

Was Google dazu sagt

Google hat 2023 erklärt, dass es Inhalte nach Qualität bewertet und nicht danach, ob ein Mensch oder eine Maschine sie geschrieben hat. In den Spam-Richtlinien steht aber auch der Punkt „Scaled content abuse“: viele Seiten, die vor allem für Suchmaschinen erzeugt werden und Lesern nichts bieten. Ein austauschbares Design ist kein Verstoß. Austauschbare Texte, die massenhaft erzeugt werden, können einer sein.

Sieben Vorgaben gegen den Einheitslook

Diese Vorgaben gibst du dem KI-Agenten mit, bevor er die erste Zeile Code schreibt.

1. Erst Inhalt, dann Gestaltung

Schreib die wichtigsten Texte selbst: was der Betrieb macht, für wen, wo, was ein Auftrag ungefähr kostet, wer der Ansprechpartner ist. Die KI darf glätten, aber nicht erfinden. Aus echten Texten entstehen echte Überschriften, und eine Überschrift wie „Heizung defekt? Wir sind morgen da“ braucht keinen Farbverlauf.

2. Eigene Fotos als Ausgangspunkt

Ein gutes Foto vom Team, von der Werkstatt oder von einem fertigen Auftrag ersetzt jede Illustration. Wenn eigene Fotos fehlen, ist ein ruhiger Aufbau mit viel Typografie besser als Bilder aus Datenbanken, die jeder schon gesehen hat.

3. Referenzen aus anderen Branchen

Wer für einen Dachdecker nur Dachdeckerseiten als Vorbild nimmt, landet beim Branchendurchschnitt. Ein Buchverlag, ein Architekturbüro oder eine Zeitschrift kann eine bessere Referenz sein. Notiere zu jeder Referenz einen Satz, was genau du übernehmen willst.

4. Enge Grenzen für Schrift und Farbe

Lege eine oder zwei Schriften fest, eine kleine Farbpalette mit geprüften Kontrasten und feste Abstände. Je enger der Rahmen, desto weniger rutscht die KI in Standardwerte. Leite die Farben aus der Welt des Betriebs ab: Fahrzeugbeschriftung, Arbeitskleidung, Material.

5. Der Aufbau folgt dem Inhalt

Wenn ein Betrieb vier Leistungen hat, braucht er keine drei Karten. Wenn er eine Leistung hat, braucht er gar keine. Lass den Agenten den Aufbau aus den Texten ableiten, nicht aus einer Vorlage.

6. Verbotsliste

Schreib ausdrücklich auf, was nicht vorkommen soll: keine Farbverläufe als Hintergrund, keine Kundenstimmen ohne echte Quelle, keine Zahlen ohne Beleg, keine englischen Floskeln. Eine kurze Verbotsliste wirkt erstaunlich gut, weil sie genau die Standardantworten ausschließt.

7. Vergleichen und prüfen

Am Ende kommt der Vergleich: Sieht die Seite einer Referenz zu ähnlich? Dann war die Referenz eine Vorlage und keine Richtung. Danach folgt die Prüfung auf Kontrast, Tastatur und Ladezeit. Wie das ohne bezahltes Werkzeug geht, steht im Artikel Barrierefreiheit selbst prüfen.

So sieht eine Vorgabe aus

Die sieben Punkte passen auf eine Seite. Ein Beispiel für einen Elektrobetrieb, so wie du es einem KI-Agenten vor dem ersten Entwurf geben kannst:

  • Für wen: Hausbesitzer im Umkreis von 30 Kilometern, die eine Wallbox oder Photovoltaik planen. Viele lesen am Telefon, abends.
  • Ziel der Startseite: Anruf oder Rückrufbitte. Nichts anderes ist wichtiger.
  • Texte: liegen bei, bitte nur kürzen, nichts erfinden. Keine Kundenstimmen, solange wir keine echten mit Erlaubnis haben.
  • Fotos: zwölf eigene Bilder liegen bei, das Transporter-Foto ist das wichtigste.
  • Referenzen: die Seite eines Buchverlags (wegen der großen Schrift und der ruhigen Spalten) und die eines Architekturbüros (wegen der Art, wie Fotos angeschnitten sind). Nichts abpausen, nur Richtung.
  • Grenzen: eine Schrift für alles, zwei Farben aus der Fahrzeugbeschriftung plus Grautöne, Kontrast mindestens 4,5:1 für Text.
  • Verboten: Farbverläufe, Symbole statt Fotos, drei Karten nebeneinander, englische Wörter, Zahlen ohne Quelle.
  • Prüfen: Tastatur, Zoom auf 200 Prozent, Telefonansicht bei 390 Pixel, keine Schriften oder Skripte von fremden Servern.

Das ist kein Geheimrezept. Es ist ein Briefing, wie es eine gute Agentur auch schreiben würde. Der Unterschied zur Standardanfrage ist, dass die KI kaum noch Lücken hat, die sie mit dem Durchschnitt füllen muss.

Vorher und nachher, in Worten

Eine typische Standardanfrage ergibt etwa: dunkle Seite, Verlauf, „Ihr Partner für Elektrotechnik“, drei Karten (Installation, Wartung, Beratung), Kundenstimmen, Kontaktformular.

Mit den Vorgaben oben wird daraus zum Beispiel: helle Seite mit einem großen Foto vom eigenen Transporter, die Überschrift „Wallbox und Photovoltaik im Landkreis, mit Meisterbetrieb aus dem Ort“, darunter das Einzugsgebiet, ein Preisrahmen für eine Standard-Wallbox mit Hinweis, wovon er abhängt, und eine Telefonnummer, die auch am Telefon groß genug ist. Weniger Effekte, mehr Information.

Abkürzung: ein Design, das schon eigen ist

Wer die Gestaltung nicht selbst steuern will, startet mit einem fertigen Design und passt nur noch Inhalte und Fotos an. Die Designs in der Galerie sind für erfundene Marken mit eigener Typografie und eigenen Bildern gestaltet, auf Barrierefreiheit und Ladezeit geprüft und mit einer Token-Datei versehen, damit ein KI-Agent beim Anpassen im System bleibt. Wie der ganze Ablauf ohne Figma aussieht, steht im Artikel Webdesign mit KI ohne Figma.

Passt dazu

Quellen

  1. Google Search Central: Google Search's guidance about AI-generated content, 08.02.2023
  2. Google Search Central: Spam policies, Scaled content abuse, abgerufen am 31.10.2026
  3. WebAIM: The WebAIM Million 2026, Februar 2026
  4. Ahmed et al.: Accessibility of web pages generated by large language models (arXiv 2501.03572, Fallstudie, Preprint), Januar 2025

Häufige Fragen

Warum sehen mit KI erstellte Websites so ähnlich aus?

Sprachmodelle erzeugen die wahrscheinlichste Antwort auf eine Anfrage. Ohne genaue Vorgaben ist das ein Durchschnitt aus sehr vielen ähnlichen Seiten, oft gebaut mit denselben Bausteinbibliotheken und Standardwerten. Dazu kommen gleich formulierte Anfragen wie „modern und clean“.

Ist eine KI-Website schlechter für Google?

Google bewertet nach eigener Aussage Inhalte nach Qualität und Nutzen, nicht danach, wie sie entstanden sind. Massenhaft erzeugte Seiten ohne eigenen Mehrwert verstoßen aber gegen die Spam-Richtlinien. Ein austauschbares Design ist kein Verstoß, schwacher Inhalt kann einer sein.

Wie bekomme ich eine KI-Website, die nicht generisch aussieht?

Mit eigenem Material und festen Grenzen: echte Texte und Fotos, Referenzen aus anderen Branchen, eine begrenzte Auswahl an Schriften und Farben, ein Aufbau, der aus dem Inhalt kommt, und am Ende ein Vergleich mit den Referenzen, damit nichts abgepaust wirkt.

Woran erkenne ich, ob eine Website mit KI gebaut wurde?

Sicher erkennen lässt sich das nicht. Typische Muster sind Farbverläufe in Lila und Blau, drei gleich große Karten mit Symbolen, erfundene Kundenstimmen, englische Floskeln in deutschen Texten und eine fehlende Hauptüberschrift. Unser Ratgeber „KI-Website erkennen“ listet sie auf.

Zur GalerieAlle Artikel